Im Magazin für Menschenrechte 2/2017 finde ich das Interview mit Fr. Eva Kor. Einer wahrlich weisen Frau, die ihresgleichen sucht. In der Serie “Im Gespräch: Die letzten Shoa-Überlebenden” wird sie vorgestellt als ungewöhnliche Frau, welche sogar für ihre Leidensgenossinnen Unvorstellbares schafft. Sie vergibt Nazi-Kriegsverbrecherinnen.

In ebendiesem Interview mit Clara Akinyosoye antwortet sie auf die Frage, warum sie dem Nationalsozialisten Oskar Gröning die Hand gereicht habe und ihm vergeben habe mit der Gegenfrage “Habe ich das Recht, frei zu sein?”

“Und wie werde ich frei? Indem ich vergebe. (…) Ich vergebe, um frei zu sein. Indem ich ihnen vergebe, entferne ich den Schmerz aus meinem Leben. (…) Ich kann nicht ändern, was passiert ist. Ich vergesse und verleugne damit nicht, was geschehen ist. (…) Ich entdeckte damals, dass ich, deren Leben man auf den Kopf gestellt hatte, doch noch eine Macht habe. Die Macht, zu vergeben. (…)

Ein Rabbi hat mir einmal gesagt, um Vergebung zu erhalten, muss man um Vergebung bitten. Denken wir das einmal durch: Ich muss warten, bis ein Nazi mich um Vergebung bittet? Wer hat dann die Macht? Warum sollte ich einem Nazi noch mehr Macht geben wollen? Wir müssen diese alten Vorstellungen von Vergebung loswerden. Denn sie sind unfair gegenüber den Opfern. Ich gebe Opfern die Möglichkeit, frei zu sein. Niemals darf man darauf warten, von den TäterInnen befreit zu werden. Ich entscheide, wann und wem ich vergebe. Das ist meine Macht. (…) Durch Vergebung kann man seine Seele heilen.

Wenn man etwas ändern will, soll man Gutes tun, um Menschen zu helfen.”

ein Stacheldraht im Vordergrund und dahinter wächst auf einer angedeuteten Mauer eine sehr grüne Pflanze, zur Symbolisierung der Hoffnung auf Freiheit

“Es ist wohl einfacher zu zerstören, als aufzubauen. (…) Es ist für manche Menschen einfacher, schlecht zu sein als gut zu sein. Aber die Menschen, die Böses in die Welt bringen, werden nie glücklich sein.”

Das Buch “Die Macht des Vergebens” von Frau Eva Mozes Kor ist im Jahr 2016 im Verl. Benvenuto erschienen.Buchcover von "Die Macht des Vergebens

Die gleiche Hochachtung, welche ich für diese Frau empfinde, begegnete mir nur einmal zuvor in meinem Leben und der Anlass dafür war das Lesen der Autobiografie von Madiba Nelson Mandela, welcher nach mehr als 20 Jahren in Gefangenschaft, durch die weisse Vorherrschaft im Land Südafrika, keinerlei Hass für seine Peiniger empfand, lediglich von Vergebung beseelt war. der alte Nelson Mandela, lachend in den Raum schauend, in einem Ohrensessel sitzend

Ich denke, das macht Vorbilder aus, dass man sich anhand ihrer denkt: das könnte ich nie. Wie klein bin ich, im Gegensatz zu ihm oder ihr!