ein Handybildschirm voller Social Media Icons in groß wird von einer Hand gehalten, grauer Hintergrund

Als Chefredakteur der Tagespresse verfasst er seit acht Jahren als ausgewiesener Satiriker jeden Tag Artikel, die nicht stimmen. In diesen Jahren lernte er dadurch die Welt der Social Media (Sozialen Medien) nicht nur in- und auswendig kennen, er verstand sie auch mehr und mehr zu dechiffrieren. Jetzt, im Jahr 2021, lässt er uns an deren Entlarvung teilhaben.

Zeitgleich zur Veröffentlichung seines Aufdecker-Buches hält er mit einer satirischen Aktion den Online-Medien einen Spiegel vor die Nase. In einem Aviso-Email an alle auch online vertretenen Medien gibt er sich als Pressesprecher von Frank Stronach aus und kündigt an, dass dieser bei der Bundespräsidenten-Wahl 2022 kandidieren möchte. Diese Fake-News war die Arbeit von zwei Stunden, inklusive einer für die Spaß-Beweisführung des Fakes eigens gekauften domain und dann selbst erstellten Website* ‚teamstronach.at‚. Zahlreiche renommierte Medien fielen auf die Falschmeldung hinein, wollten schnell sein um mithalten zu können im Wettbewerb um die meisten Klicks, und berichteten um diesen Preis zuerst einmal ungeprüft.

Jede will einen Klick schneller als die Konkurrentin sein mit der Veröffentlichung von Neuigkeiten, unter Vernachlässigung der guten Recherche. In Wikipedia lese ich dazu: ‚APA-Chefredakteur Johannes Bruckenberger sah darin einen Weckruf, Medien müssten angesichts grassierender Desinformation ihre Standards hinterfragen und nachschärfen.‘

Fritz Jergitsch ist es, um den es hier geht, der soviel heilsame Unruhe erzeugen kann. Der heute (im Jahr 2021) 30-Jährige hat im Jahr 2013, während seiner Studentinnenzeit, das Satiremagazin Die Tagespresse gegründet. Mittlerweile besuchen 400.000 Besucherinnen monatlich seine virtuelle Bühne. Laut Wikipedia ist das Satire-Projekt um Frank Stronach auch nicht das einzige, das für bare Münze gehalten wurde. Megawitzig!

Artikel wie

treffen regelmäßig den Nerv seiner etwa 230.000 Facebook-Fans.

Im September 2021 erscheint nun sein Buch ‚Die Geister, die ich teilte. Wie soziale Medien unsere Freiheit bedrohen‚.

Alle folgenden Aussagen von Herrn Jergitsch habe ich dem Interview im Standard vom SA/SO, 18./19. 9.2021, Kommunikation,, ‚“Unsere Demokratie steht auf dem Spiel“‚ entnommen.

Ein Beispiel für eine nicht-politische Sendung der ‚Tagespresse‘:

Im Falter 38/21 auf Seite 26 („Dürfen wir Sie gleich live schalten?“) schreibt er über die Fake-News zur Bundespräsidentenwahl 2022: ‚Die für mich am wenigsten überraschende Erkenntnis aus der Aktion: dass Menschen dazu neigen, das zu glauben, was sie sehen. Wenn Redakteure im Trubel des Wettrennens um den ersten „Breaking News“-Tweet eine kohärente Story präsentiert bekommen sowie einen Pressesprecher, der alles telefonisch bestätigt – (ike: die Telefonnummer des ‚Pressesprechers‘, war der gefakten Website* entnommen, war Herr Jergitsch selbst) – , werden sie die Story auch kaufen.‘

Fritz Jergitsch prangert in seinem neuen Buch die Boulevardisierung von Qualitätsmedien an. Und diese geht so:

Die Sozialen Medien sind profitorientierte Unternehmen, die Werbung verkaufen. Umso länger wir vor den Bildschirmen sitzen, umso mehr Geld bringen gezielt platzierte Werbe-Inserts.

Um uns an die Bildschirme zu fesseln, ist das System der Algorithmen für die Social-Media-Kanäle das perfekte Mittel der Wahl. Mithilfe der Algorithmen wird erhoben, was jede Einzelne von uns sich im Netz anschaut, was mich also gerade interessiert, …… und es wird mir automatisch mehr davon geboten. Dabei ist der Wahrheitsgehalt des für mich im Weiteren ausgewählten Angebots das unwichtigste. Das Wichtigste ist der emotionale Wert, für mich, . . . und der Verkaufswert, für Facebook, Instagram, TikTok &co., dadurch, dass ich dranbleibe, online bleibe, Werbeinserate laufen und auf mich einwirken.

Inhalte, die unsere Ängste ansprechen, und Banalitäten fesseln uns. Erstere, um vor Gefahren gewappnet zu sein, und zweitere, um sich zu entspannen, abzulenken vom sogenannten ‚Ernst des Lebens‘.

Im Standard, siehe oben, sagt Herr Jergitsch: „Boulevardmedien verkaufen Emotionen. Sie machen uns Angst oder wollen uns mit Banalitäten unterhalten. Sie wollen nicht zwangsläufig ein relevantes, korrektes Bild der Realität vermitteln. – Die Algorithmen sozialer Medien sind ebenfalls darauf angelegt, unterhaltsame Inhalte rauszufiltern. Das führt auch zu einem Wandel der Qualitätsmedien. Wenn jetzt die New York Times etwas auf Facebook postet, entscheidet wieder der Algorithmus, welche Inhalte ihre Follower zu sehen bekommen. So passiert eine Boulevardisierung von Qualitätsmedien.“

Die New York Times als Qualitätsmedium will ebenfalls online Userinnen erreichen . . . und sitzt dadurch schon in der Falle um den schnelleren Tweet.

Zum nächsten Video: Die Tagespresse klagt den ÖVP-Mandatar Andreas Hanger auf unlauteren Wettbewerb, weil er Satire betreibt und sich Politiker nennt. (sorry für die Tonqualität: ist schlau gedacht und extern aufgenommen, denn die Originalvideos zum Thema verschwanden natürlich unverzüglich aus dem Netz, aus unserer nicht mehr ganz so freien Medienlandschaft.)

Im Standard-Interview heißt es weiter:

‚Jergitsch: Viele Leute, speziell die Politik in Europa, haben nicht auf dem Radar, wie die sozialen Medien die machtpolitischen Karten neu mischen. Wir sehen, dass Autokraten wie Donald Trump oder Wladimir Putin soziale Medien wie eine Waffe einsetzen. ..- … Ich habe das Buch geschrieben, um zu zeigen, wie wir Macht verlagert haben: von unseren eigenen Medien ins Silicon Valley.

Standard: Was ist ihr Vorschlag? Demokratisierung? Noch stärker gegen Fake-News vorgehen?

Jergitsch: Die Politik muss begreifen, dass sie den digitalen Raum genauso regulieren kann wie den physischen. Wir müssen verstehen, wie Algorithmen funktionieren, und jene Mechanismen, die Schaden anrichten, ausschalten. Ein Grundübel ist die Optimierung auf Interaktionen – sie sorgt für Fake-News und Polarisierung. Ebenfalls wichtig ist die Demokratisierung von Sozialen Medien.‘

Im Video zum Sozialabbau et al. vom März 2019:

Weiterführend interessant: ‚Der europäische Kulturkanal – ARTE‚ und ‚Puppe Mensch‚.